|
Die afrikanischen Sklaven, die zur Kolonialzeit nach Brasilien verschleppt worden waren, hatten die Tänze und Musik ihrer Heimat mit sich gebracht. Jedoch begannen sie in der Gefangenschaft erst nach und nach ihre Bräuche und Rituale sowie ihre Sprachen weiterzuführen. Sie versuchten dadurch mit der Natur und sich selbst im Einklang zu bleiben. Daneben wurden natur- und erdbezogene Elemente aus der Kultur der indianischen Urbevölkerung übernommen. Mit der Vermischung unterschiedlicher Volksstämme unter dem Einfluss der portugiesischen Herrschaft entstand die afro-brasilianische Kultur.
Einen Teil dieser Kultur verkörpert der Afro-Brasilianische Tanz. Der Tänzer äussert darin den energetischen Ausdruck seines Körpers in spontanen Bewegungen. Er nimmt seine Umgebung sinnlich durchs Sehen, Hören und Fühlen wahr. Durch diese Kraft lernt er seinen eigenen Körper kennen, aber auch die überlieferten Gesten und die Geschichte seiner Vorfahren.
Die Bewegungen werden von Klängen inspiriert, die mit der Atmosphäre in der Pflanzen- und Tierwelt in Zusammenhang stehen. In Symbolen wird die metaphysische Entwicklung der menschlichen Existenz dargestellt. Die praktizierten Riten und ihre Spiritualität sind auch heute noch fester Bestandteil im kulturellen Leben Brasiliens, besonders im Bundesstaat Bahia.
Doch nicht nur bei religiösen Handlungen werden traditionelle Gesten erkennbar: Auch wenn auf der Strasse zu populärer Musik getanzt wird, lassen sich deutlich Elemente aus dem ethnischen Tanz erkennen. Die Rhythmen und Körpersprache werden mit modernen Stilen wie HipHop, Jazz oder Break Dance vermischt und modifiziert. Ihre Lebendigkeit, der kraftvolle und doch leichte Ausdruck bleiben dabei unverkennbar und in ihrem Charme faszinierend.
|